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Laufzeiten der Kernkraftwerke in Deutschland

In Deutschland dürfen Kernkraftwerke aus Sicherheitsgründen nur noch für eine begrenzte Zeit laufen, ein Neubau von Anlagen ist nicht zulässig. Der Ausstiegsbeschluss sieht vor, die Anlagen über einen Zeitraum von rund 20 Jahren relativ gleichmäßig vom Netz zu nehmen. Die vereinbarte Betriebsdauer neuerer Kernkraftwerke könnte dabei verlängert werden, wenn Strommengen von den älteren Anlagen auf die neueren übertragen würden. Fazit: Dann würden die Reaktoren mit den geringsten Sicherheitsreserven früher vom Netz gehen.

s. Bild 16: Inbetriebnahmedaten und verbleibende Reststrommengen der Kernkraftwerke in Deutschland (Daten: BfS 2009)

Mit der Novelle des deutschen Atomgesetzes, die am 27. April 2002 in Kraft getreten ist, erlischt die Betriebsgenehmigung der deutschen Kernkraftwerke, wenn diese eine bestimmte Strommenge produziert haben (vergleiche Abbildung 16). Die festgelegten Strommengen entsprechen dabei einer mittleren Betriebsdauer der Kraftwerke über 32 Jahre. Bis Ende 2008 haben die Kernkraftwerke bereits 1.382 Terawatt-Stunden (TWhel) verbraucht (BfS 2009). Das entspricht etwa der Hälfte der seit Anfang 2000 verfügbaren Reststrommenge von 2.623 TWhel. Seit 2002 sind die Anlagen Stade und Obrigheim vom Netz gegangen. Bei den Anlagen Brunsbüttel und Biblis A verzögert sich das Abschalten voraussichtlich bis ins Jahr 2010, weil sie wegen sicherheitstechnischer Probleme längere Zeit nicht am Netz waren. Die Anlage Neckarwestheim 1 wird zurzeit im so genannten Lastfolgebetrieb gefahren, bei dem sie bei geringer Stromnachfrage nur rund 50 Prozent der möglichen Leistung erzeugt. Damit liegt auch ihr voraussichtlicher Abschalttermin im Jahr 2010.

Grundsätzlich ist es möglich, Strommengen zwischen verschiedenen Anlagen zu übertragen. Mit der Vereinbarung im Atomgesetz ist jedoch die Strommenge, die in Deutschland insgesamt noch produziert werden darf und damit der zukünftige Beitrag der Kernenergie am Strommix eindeutig festgelegt. Wenn Strommengen übertragen werden, ändert sich also an der Gesamtmenge nichts. Deshalb spart Deutschland so auch keine CO2-Emissionen ein. Ein positiver Effekt auf die deutschen Klimaschutzziele lässt sich durch die Übertragung von Strommengen also nicht erreichen.

Eine Übertragung von Strommengen von älteren auf neuere Anlagen und damit ein längerer Betrieb der neueren Anlagen, ist ohne weiteres möglich. Damit würden diese Strommengen in Anlagen mit einem höheren Sicherheitsniveau produziert, was sich positiv auf die Gesamtssicherheit in Deutschland auswirken würde.

Das Bundesumweltministerium hat die Anträge, ältere Kernkraftwerke länger laufen zu lassen, abgelehnt.

Die Betreiber der drei ältesten Kernkraftwerke Biblis A, Neckarwestheim 1 und Brunsbüttel haben indes Anträge gestellt, Strommengen von neueren Anlagen (Emsland, Neckarwestheim 2 und Krümmel) auf die älteren Reaktoren zu übertragen.

Hierzu hat das Bundesumweltministerium (BMU) sicherheitstechnische Vergleiche der Altanlagen mit den neueren Kraftwerken beauftragt. Auch die Ergebnisse der Sicherheitsuntersuchungen haben dazu beigetragen, dass das BMU die Anträge abgelehnt hat. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass die Altanlagen über deutlich geringere sicherheitstechnische Reserven als die neueren Reaktoren verfügen. Auch wies das BMU darauf hin, dass eine Strommengenübertragung nicht erforderlich sei, um die Energieversorgung sicher zu stellen und die Klimaschutzziele in der Bundesrepublik zu erreichen.

Wenn Strommengen von neueren auf ältere Anlagen übertragen würden, müssten die älteren Anlagen später, neuere Anlagen hingegen früher vom Netz gehen. Insgesamt würde sich damit der Zeitraum deutlich verkürzen, über den hinweg die bestehenden Kernkraftwerke abgeschaltet würden. Um die wegfallende Kraftwerksleistung zu ersetzen, ist es notwendig, Energie einzusparen und die erneuerbaren Energien schneller auszubauen. Muss dies über einen kürzeren Zeitraum erfolgen, würde sich der Ausstieg aus der Kernenergie in der Zukunft entsprechend schwerer realisieren lassen.


Literatur:

Bundesamt für Strahlenschutz: Erfassung und Dokumentation der in den deutschen Kernkraftwerken erzeugten Strommengen. www.bfs.de/de/kerntechnik/strommengen.html, Stand April 2009.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Strommengenübertragungen. www.bmu.de/atomenergie_sicherheit/sicherheitsfragen_aufsichtsverfahren/ strommengenuebertragung/doc/42281.php

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